Farbe, Raum, Struktur



Es ist die körperhafte Farbe, die den Bildern von Jochen Schambeck ihre eigentümliche Wirkung gibt. Mit Fingern direkt aus der Tube auf den Holzgrund gespachtelt, türmt sie sich dort und trocknet langsam zu zerklüfteten Faltengebirgen aus. Die malerische Technik erinnert an den skulpturierenden Bildhauer, der seine Figur Stück um Stück aus Tonzugaben aufbaut. Und ähnlich wie beim plastischen Prozess braucht auch diese Art von Malerei ihre Zeit. Sie erfüllt sich nicht in intuitiver Niederschrift, sie setzt sich zusammen aus Warten und Erfahrungen sammeln, aus den heißen Momenten der Impulse und der Geduldsstrecke ihrer Abkühlung. Das Werk hat seine gegenständlich figürliche Vorgeschichte in den neunziger Jahren, war eine Zeitlang besetzt von eher katastrophischen Motiven, hat sich aber bald mehr für die Darstellbarkeit der Gegenstände als für die Gegenstände selber interessiert. Der skrupulös umständliche Malprozess entspricht just der Zeit, in der mit der Farbe auch die Bestimmung der Farbe ihre Festigkeit erhält. Wie bei einer Kippfigur lassen sich die neueren Arbeiten aus der „Splash Out“-Serie als opulente Palette oder als Blumen- und Pflanzenbilder lesen.

 

Hans Joachim Müller


(Auszug aus dem Katalogtext: Farbe Raum Struktur, Galerie von Braunbehrens, München 2010)



context

home