Virtuelle Katastrophen - Diabolische Erscheinungen Notwendig für ein 'unmögliches' Geniessen sind rein 'virtuelle' Katastrophen. D.h. im wirklichen Leben passiert nichts, die Katastrophe findet in der Virtualität statt (auf dem Bildschirm bzw. im phantasmatischen Raum). Wo liegt die Ursache der ansteigenden Katastrophen-Sucht und des darauf reagierenden Bild-Spektakels (das sich am deutlichsten in den Produkten aus Hollywood artikuliert)? Man vermutet sie in einer tiefreichenden, kaum mehr erträglichen Spaltung der Maschine vom Menschen bzw. der Bilder von den Dingen bzw. der Fiktionen von der Realität. Eine Spaltung, die beim Menschen Ohnmachtsgefühle hervorruft. Diese wiederum werden entweder verdrängt oder in der Art des 'unmöglichen Genießens' wiederholt. (siehe Horrorfilm / Katastrophentourismus / Unfallgafferei / Sensationsjournalismus / Risikosport usw.) Rein 'virtuelle' Katastrophen, die die 'wirkliche' Realität intakt lassen, malt auch Jochen Schambeck. Einerseits sieht der Betrachter katastrophisch verlaufende Prozesse, andererseits produzieren diese Bilder aber auch 'diabolische' Zweifel an der Richtigkeit/Möglichkeit der eigenen Wahrnehmung und den Zwangsläufigkeiten / Gesetzmäßigkeiten des 'unmöglichen' Genießens. Ein im Raum herumfliegender Auspuff, aus der allerunmöglichsten Nähe gesehen, ein Triebwerk eines Flugzeuges, das brennt; ein zerplatzter Reifen, in den hinein das Fahrzeug stürzt; die Aussicht von oben in die brennende Fackel der Freiheitsstatue... im Hinblick auf das 'unmögliche' Genießen verderben sie den Appetit, machen sie das Genießen unmöglich. Die Souveränität des Betrachtersubjekts wird bedroht. Zuviel Nähe, zuviel Involviertheit. Zuviel Standortwechsel. Weil der Künstler die 'objektive' Sicht aufgibt und ins Zentrum des Geschehens eindringt, jenen Moment der Turbulenz erfaßt, den auch der schnellste Paparazzi zu fotografieren nicht in der Lage ist (und der auch in der Virtualität, soll diese echt wirken, nur flüchtig und kurz erscheinen darf), wird das Funktionieren der Wunschmaschine gestört. Zwar imitiert Jochen Schambeck die Arbeitsweise der synthetischen Bilderfindung (d.h. das Komputieren und Projizieren von Beliebigem), aber seine Bilder suggerieren Wahrheit, Ganzheit, Authenzität (Ich war dabei!). Deshalb bewirken seine Bilder eine andere Spaltung: Zwischen dem Betrachter als Teilelement eines imaginierten Maschinenensembles und dem 'ganzen' Körper des gemalten Bildes. Sie unterbrechen die Strategie des 'unmöglichen Genießens'. Nicht ein zerstückeltes Ich heilt und stabilisiert sich mit einem 'ganzen' Bild, sondern die Erscheinung eines 'ganzen' Bildes (d.h. ein flüchtiger, rätselhafter, unmöglicher Moment / Augenblick) sorgt bei diesem Ich für Verwirrung. Eine Verwirrung (und Verirrung der Wahrnehmung), die zu einem langen Nachdenken über Möglichkeiten des Unmöglichen herausfordert. Also über den Genuß, überall und jederzeit alles zu sehen.
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